ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Neurologie & Psychiatrie

Epilepsien (Erwachsene) : Diagnose

Epilepsien (Erwachsene)

Zerebrale (epileptische) Anfälle und Anfallsleiden sind keine Krankheitseinheit, sondern ein uneinheitliches Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann.

Epilepsien (Erwachsene)

Zerebrale (epileptische) Anfälle und Anfallsleiden sind keine Krankheitseinheit, sondern ein uneinheitliches Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann.

Definition

Gelegenheitsanfälle
Zum Beispiel durch bestimmte Pharmaka, nach übermäßigem Alkoholgenuss und Schlafdefizit, bei Alkoholentzug (beginnendes Delir!), Fieberkrämpfe des Kindes, akute Hypokalzämie, akute Hypoglykämie, Überwässerung etc.

Epilepsie
Chronisch, auch ohne äußeren Anlass rezidivierende zerebrale Anfälle. Ein Übergang von Gelegenheitskrämpfen zu Epilepsie ist möglich.

Ursachen
  • Intrakraniell-raumfordernder Prozess, Tumor, Blutung, Abszess
  • Hirnnarbe nach Trauma, Entzündung, Infarkt
  • Entzündliche Erkrankung des Gehirns und der Gefäße
  • Hirn- oder Gefäßmissbildung, z.B. Angiom
  • Perinatale Hirnschädigung
  • Erkrankung innerer Organe
  • Akute Hypokalzämie, akute oder chronisch rezidivierende Hypoglykämie, Überwässerung etc.
  • Exogene Ursachen, z.B. Alkoholismus und Intoxikationen
  • Nicht selten ist die Ursache einer Epilepsie nicht auffindbar (sog. genuine Epilepsie)
  • Erblichkeit sowohl bei generalisierter als auch bei fokaler Epilepsie möglich
Einteilung
  • Generalisierte Anfälle
  • sekundär generalisierte Anfälle
  • fokale Anfälle
  • nicht klassifizierbare Anfälle

Generalisierte Anfälle

Zu den generalisierten Anfällen gehören auch die myoklonisch astatischen Anfälle, ferner atonische, klonische Anfälle und andere vorwiegend im Kindesalter vorkommende Formen, v. a. Absencen und das Impulsiv-petit-mal des Jugendalters

Tonisch-klonische Grand-mal-Anfälle

Symptome

 

Ablauf: Aura (nur selten erinnerlich), gelegentlich Initialschrei, oft abruptes Hinstürzen mit Bewusstseinsverlust und Sturzverletzungen, tonische Streckung der Rumpf- und Extremitätenmuskulatur, Apnoe, Übergang in rhythmische Zuckungen, an den Extremitäten am besten beobachtbar. Übergang in Nachschlaf, mehr oder weniger lange Reorientierungsphase. Nachher oft Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen (Durchgangssyndrom)

Fokale Anfälle

Einfache fokale Anfälle

Zum Beispiel motorische oder sensible Jackson-Anfälle

Symptome

Rhythmische Zuckungen bzw. Missempfindungen auf eine Extremität beschränkt, von kurzer Dauer, Bewusstsein erhalten. Lokalisatorisch bedeutsam! Entwicklung von distal und proximal: march of convulsion

Sonderform: Halbseitige fokale Anfälle

Komplexe fokale Anfälle
(Syn.: psychomotorische Anfälle, Dämmerattacken)

Bewusstseinsbeeinträchtigung obligatorisch. Fokus im Temporallappen bzw. limbischen System

Symptome

 

Subjektiv

 

Patient hat häufig Schwierigkeiten mit der Symptomschilderung. Häufig vom Epigastrium aufsteigende Sensationen, "komisches Gefühl", "wie im Traum", "alles weit weg", "Schwindel", selten spontan, auf Befragen häufig "Angstgefühl". Gelegentlich Dejà-vu- oder Jamais-vu-Erlebnisse (lassen als isoliertes Symptom nicht zwangsläufig den Schluss auf Epilepsie zu), Filmriss und vieles andere 

 

Objektiv

 

Patient wirkt abwesend, motorische Automatismen (fakultativ) wie z.B. Nesteln, Schlucken, Kauen, stereotype Bewegungen wie Trampeln, Scharren etc., Automatismen mit Handlungscharakter (Weglaufen, Aggressionshandlungen), Sprechautomatismen, affektive Äußerungen (z.B. Lachen, Stöhnen etc.). Gelegentlich Tonusverlust oder tonische Verkrampfung, Pupillenerweiterung, Blässe, Erröten, Tachykardie, Blutdruckanstieg. Anfallsdauer unter 1 Min. bis zu 2 Min. im Durchschnitt.

Sonderfall: Status epilepticus

Anfallsdauer prolongiert über 10-15 Min. bzw. volles Bewusstsein kehrt zwischen den Anfällen nicht zurück. Der Grand-mal-Status ist ein neurologischer Notfall, er ist lebensbedrohlich!
Auch fokale Anfälle können sich statusartig verlängern

Diagnostik
  • Anamnese inklusive Fremdanamnese (Anfallsbeschreibung)
  • Neurologische und internistische Untersuchung
  • EEG mit Provokationsverfahren (je nach Epilepsieform Schlafentzug, Photostimulation); oft mehrmalige Wiederholung erforderlich; simultane EEG- und Videoaufzeichnung, Telemetrie, Tiefenelektroden
  • Kraniales CT mit Kontrastmittel
  • NMR
  • Eventuell Angiographie
  • In ausgewählten Fällen PET und SPECT
Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostische Abgrenzung epileptischer Anfälle gegenüber Synkopen insbesondere bei komplexen fokalen Anfällen oft äußerst schwierig oder gar unmöglich ohne Beobachtung eines klinischen Anfalls

Wichtige Diffenzialdiagnose: psychogene Anfälle, Hyperventilationstetanie

Symptom

Grand mal Epilepsie

Synkopen

Bewusstseinsstörung

+

+

Konvulsionen

+

äußerst selten

Sturzverletzung

häufig

selten

Einnässen

häufig

fehlt in der Regel

Nachschlaf

häufig

fehlt in der Regel

Zungenbiss

häufig

fehlt in der Regel

postkritische Phase

langsame Erholung

rasche Erholung

Epilepsie und Schwangerschaft

Generell ist die Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft zu betrachten. Bei antikonvulsiver Therapie während der Schwangerschaft ist das Missbildungsrisiko (Herzmissbildungen, Kiefergaumenspalten) mit 10 % doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung.

  • Teratogenes Potential: Primidon > Valproinsäure > Phenytoin > Carbamazepin > Phenobarbital.
  • Einzelne Missbildungen auch nach Einnahme von Lamotrigin und Vigabatrin beschrieben, bislang keine ausreichenden Langzeiterfahrungen.
  • Bei mehr als 2 jähriger Anfallsfreiheit evtl. Medikation vollständig absetzen, ansonsten Monotherapie in möglichst niedriger Dosierung. Umstellung auf Retardpräparate bei Carbamazepin und Valproinsäure, die übrigen Antikonvulsiva auf mind. 3 Tagesdosen verteilen, um Plasmaspitzenkonzentrationen zu vermeiden.
  • Zunahme der Anfälle bei 20% der Schwangeren
  • Perinatale Mortalität bei anfallskranken Frauen größer als bei der Durchschnittsbevölkerung.
  • Valproinsäure während der Frühgravidität erhöht Risiko der Myelomeningozele um das Zehnfache
  • Häufig sinkt während einer Schwangerschaft die Serumkonzentration des Medikamentes ab und steigt schlagartig zum Zeitpunkt der Geburt wieder an. Bestimmung der Serumspiegelkonzentration des Medikaments daher besonders wichtig.
  • Nach der Geburt ebenfalls engmaschige Kontrolle des Serumspiegels bis zur Normalisierung des Körpergewichts der Mutter.
  • Abstillen bei hoch dosierter antikonvulsiver Therapie empfohlen.
Noch keine Bewertungen vorhanden
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 10:31